Mit der Entwicklung der Implantologie haben sich die zahnmedizinischen Grundsätze und der Umgang mit dem Problem fehlender Zähne – sei es ein einzelner oder mehrere – erheblich verändert. Das Ziel jedes Behandlungsprotokolls ist es, die Vitalität der anatomischen Strukturen zu erhalten und gleichzeitig eine langfristige, ästhetisch und funktionell zufriedenstellende Lösung zu bieten.
Was jede Implantattherapie einschränkt oder erschwert, ist die unzureichende Verfügbarkeit von eigenem Knochen sowie die Qualität des Weichgewebes.
Im folgenden Text wird das chirurgische Verfahren des Sinuslifts erläutert, mit dem die Voraussetzungen für das Einsetzen von Zahnimplantaten im Oberkiefer geschaffen werden, wenn dies aufgrund von Knochenmangel oder der Lage der Nasennebenhöhle unter den gegebenen Umständen nicht möglich ist.
Im seitlichen Bereich des Oberkiefers treten nach einem Zahnverlust zwei physiologische Prozesse gleichzeitig auf – die Resorption des Alveolarkamms und die Pneumatisierung der Kieferhöhle. Infolgedessen reicht die verbleibende Knochenhöhe oft nicht aus, um ein Implantat geeigneter Größe zu setzen und damit eine Primärstabilität zu erreichen, ohne die Sinusmembran zu perforieren. Aus diesem Grund wurde das Sinuslift-Verfahren entwickelt.
Anatomie der Kieferhöhle – und warum sie für uns wichtig ist.
Die Kieferhöhle ist die größte der vier Nasennebenhöhlen. Sie befindet sich im Körper des Oberkiefers und ist von einer dünnen Atemwegsschleimhaut ausgekleidet, die als Schneider-Membran bezeichnet wird und bei gesunden Menschen typischerweise eine Dicke zwischen 0,3 und 0,8 mm aufweist. Obwohl diese Membran extrem dünn ist, verfügt sie über ein beträchtliches Regenerationspotenzial.
Zur Planung des Eingriffs ist es erforderlich, die Anatomie der Nasennebenhöhlen zu kennen, darunter:
1. die Höhe des verbleibenden Alveolarknochens,
2. die Form und das Volumen der Nasennebenhöhle,
3. Vorhandensein von knöchernen Septen (Underwood-Septen),
4. Lage der hinteren oberen Alveolararterie,
5. die Dicke der seitlichen Knochenwand,
6. Zustand der Schneider-Membran.
Warum kommt es nach einer Zahnextraktion zu Knochenverlust?
Der Alveolarknochen dient in erster Linie dazu, den Zähnen Halt zu geben. Nach einer Zahnextraktion verliert er seine biologische Bedeutung nahezu vollständig, und der Körper leitet den Prozess der physiologischen Resorption ein.
Daten aus der Fachliteratur deuten darauf hin, dass der größte Verlust an Knochenvolumen in den ersten sechs Monaten nach einer Zahnextraktion auftritt. Im ersten Jahr kann sich die Breite des Alveolarkamms um bis zu 50% verringern, während die Knochenhöhe in den folgenden Jahren allmählich abnimmt, wobei keine eindeutigen Daten zur Resorptionsrate vorliegen.
Was ist ein Sinuslift?
Ein Sinuslift ist ein chirurgischer Eingriff, der die Voraussetzungen für eine anschließende Implantatbehandlung im seitlichen Bereich des Oberkiefers schafft, wenn Knochenmangel und die anatomische Lage der Kieferhöhle dies sonst unmöglich machen. Der Eingriff umfasst die schonende Anhebung der Schneider-Membran und die Schaffung eines neuen Raums zwischen der Membran und dem knöchernen Sinusboden. Dieser Raum wird mit einem geeigneten Augmentationsmaterial aufgefüllt, das die biologische Grundlage für die Bildung von neuem, vitalem Knochen bildet.
Es ist wichtig zu betonen, dass ein Transplantat kein dauerhafter Knochenersatz ist. Seine Hauptaufgabe besteht darin, ein dreidimensionales Gerüst zu bilden, das die Wanderung osteogener Zellen, die Bildung neuer Blutgefäße und den schrittweisen Umbau zu lebensfähigem Knochengewebe ermöglicht. Einfach ausgedrückt: Neuer Knochen wird dort gebildet, wo er benötigt wird.
Dank dieser biologischen Prozesse ist der regenerierte Knochen nach einigen Monaten in der Lage, die funktionelle Belastung durch das Implantat langfristig zu tragen.
Wann ist ein Sinuslift angezeigt?
Die Entscheidung für einen Sinuslift wird nach einer eingehenden klinischen Untersuchung und Auswertung des CBCT-Scans getroffen. Der entscheidende Parameter ist die Resthöhe des Alveolarknochens.
Kommt jeder Patient für einen Sinuslift in Frage?
Obwohl ein Sinuslift ein routinemäßiger und sehr erfolgreicher Eingriff ist, gibt es Situationen, in denen der Eingriff verschoben oder vermieden werden muss.
Zu den relativen oder absoluten Kontraindikationen zählen eine aktive Sinusitis, unbehandelte odontogene Infektionen, unkontrollierter Diabetes, eine vorangegangene Strahlentherapie im Kieferbereich, die intravenöse Verabreichung von Bisphosphonaten, schwere Gerinnungsstörungen sowie starkes Rauchen, das das Risiko einer erfolglosen Regeneration erheblich erhöht. Natürlich ist es wichtig zu betonen, dass die Beurteilung durch den verschreibenden Arzt erfolgt, der sich auf der Grundlage der verfügbaren Informationen mit dem behandelnden Arzt der Grunderkrankung abstimmt. Aus diesem Grund wird dies in der Fachliteratur üblicherweise als relative Kontraindikation definiert.
Daher sind vor der Planung der Operation eine ausführliche Anamnese und eine gründliche klinische Untersuchung erforderlich.
Lateraler oder krestaler Sinuslift – wie wählt man die geeignete Technik aus?
Die Entscheidung trifft, wie zu erwarten, der Chirurg unter Berücksichtigung der aktuellen Empfehlungen und der Daten aus der Fachliteratur.
Internationales Team für Implantologie (ITI) Die Entscheidung zwischen einem lateralen und einem krestalen Sinuslift hängt in erster Linie von drei Faktoren ab, die sich gegenseitig gleichermaßen beeinflussen: der Höhe des Alveolarknochens, der Möglichkeit, eine primäre Implantatstabilität zu erreichen, und natürlich der Anatomie der Kieferhöhle.
Kristalliner Sinuslift
Bei einem krestalen oder transalveolären Sinuslift wird der Sinusboden durch die für die zukünftige Implantatstelle vorbereitete Öffnung angehoben, ohne dass ein seitliches Knochenfenster gebildet wird. Ziel des Eingriffs ist es, die vertikale Höhe um einige Millimeter zu vergrößern, um das Einsetzen eines ausreichend langen Implantats zu ermöglichen, ohne die Sinusmembran zu beschädigen.
Gemäß den ITI-Empfehlungen ist diese Technik für Patienten indiziert, die – in den meisten Fällen – über eine Resthöhe von mehr als 5–6 mm verfügen.
Zu den Vorteilen des krestalen Sinuslifts zählen ein geringeres chirurgisches Trauma, eine kürzere Operationsdauer, weniger ausgeprägte postoperative Schwellungen sowie die Möglichkeit, in den meisten Fällen gleichzeitig ein Implantat einzusetzen. Es liegt daher auf der Hand, dass sich der Zahnarzt für diesen Ansatz entscheiden wird, sofern die anatomischen Gegebenheiten dies zulassen.
Lateraler Sinuslift
Bei einem lateralen Sinuslift erfolgt der Zugang zur Kieferhöhle über eine Öffnung in deren Seitenwand.
Der ITI-Konsens empfiehlt diese Technik, wenn die verbleibende Knochenhöhe weniger als 5 mm beträgt oder wenn keine ausreichende primäre Implantatstabilität erreicht werden kann.
Implantate können entweder im Rahmen desselben Eingriffs oder nach einer Einheilphase von etwa sechs bis neun Monaten eingesetzt werden.
Es liegt auf der Hand, dass der laterale Sinuslift invasiver ist, da das Gewebe stärker manipuliert wird, Es handelt sich um einen längeren Eingriff am Knochen, wodurch die Genesung des Patienten erschwert wird; sein Hauptvorteil gegenüber dem krestalen Zugang besteht jedoch darin, dass er eine deutlich umfangreichere Knochenaugmentation ermöglicht und die Behandlung der Wahl bei ausgeprägter Atrophie im Seitenzahnbereich des Oberkiefers darstellt.
Welche Technik ist besser?
Auf diese Frage gibt es keine allgemeingültige Antwort, da die Therapie – wie bei jedem chirurgischen Eingriff – von den jeweiligen Indikationen abhängt. Daher gilt für jeden Einzelfall jene Technik als die beste, mit der anatomische Defizite behoben werden können und die zu einem erfolgreichen Ergebnis führt.
Mögliche Komplikationen
Die häufigste intraoperative Komplikation bei beiden Techniken ist eine Perforation der Schneider-Membran, die beim lateralen Zugang aufgrund des Umfangs des Eingriffs häufiger auftritt.
Die häufigsten Fragen lauten, ob sich dies vorhersagen lässt und wie das Problem behoben wird. Bei allen chirurgischen Eingriffen ist klar, dass alles mit dem Ziel geschieht, Komplikationen zu vermeiden; sollten diese jedoch auftreten, ist es wichtig zu wissen, dass der Chirurg mit den Methoden vertraut ist, die zu einer Lösung führen. In diesem Fall wird die Lösung dadurch erreicht, dass die Perforation – meist mit einer Kollagenmembran – abgedeckt wird, woraufhin der Eingriff fortgesetzt wird.
Eine postoperative Komplikation, die häufig diskutiert wird, ist eine Entzündung der Nasennebenhöhlen, auch Sinusitis genannt. Es handelt sich um eine seltene Komplikation, die meist auf eine bereits bestehende Erkrankung der Nasennebenhöhlen, eine Infektion des während der Operation verwendeten Transplantatmaterials oder eine Verbindung zwischen der Mundhöhle und den Nasennebenhöhlen zurückzuführen ist. Die Behandlung erfolgt in den meisten Fällen mit Antibiotika, abschwellenden Nasensprays und Kochsalzlösung. Führt dieser konservative Ansatz nicht zu einer Besserung, wird eine standardmäßige chirurgische Behandlung der Kieferhöhle durchgeführt, was jedoch nur in einem geringen Prozentsatz der Fälle erforderlich ist.
Zu den üblichen Komplikationen, die bei jedem chirurgischen Eingriff auftreten können und die über die oben genannten hinausgehen, zählen jedoch zweifellos Infektionen, Schwellungen, Schmerzen und Blutungen, die mit bewährten Methoden behandelt werden.
Wie bereits erwähnt, lassen sich das Komplikationsrisiko durch eine korrekte Diagnose, eine sorgfältige Planung und die Einhaltung chirurgischer Grundsätze erheblich verringern.
Wie verläuft der postoperative Verlauf?
In den ersten Tagen treten mäßige Schwellungen, ein Druckgefühl im Wangenbereich und leichte Nasenblutungen auf.
Den Patienten wird empfohlen, das Schnäuzen der Nase zu vermeiden, bei Niesen den Mund offen zu halten, anstrengende körperliche Aktivitäten zu vermeiden, auf Flugreisen zu verzichten und die verschriebenen Antibiotika sowie entzündungshemmenden Medikamente regelmäßig einzunehmen. Es ist sehr wichtig, die Mundhygiene aufrechtzuerhalten und diese nicht aus Angst vor Verletzungen zu vernachlässigen.
Die Einhaltung der postoperativen Anweisungen wirkt sich unmittelbar auf den Behandlungserfolg aus, denn werden diese nicht befolgt, kann alles, was durch die sorgfältige Arbeit des Arztes erreicht wurde, zunichte gemacht werden, was die Behandlung verlängert und zu Komplikationen sowie zusätzlichen chirurgischen Eingriffen führen kann.
Fazit
Eine Auswertung der Fachliteratur auf der Grundlage systematischer Übersichtsarbeiten sowie klinischer Langzeitstudien hat bestätigt, dass Implantate, die nach einem erfolgreich durchgeführten Sinuslift eingesetzt wurden, nach zehn Jahren eine Überlebensrate von über 95 % aufweisen, wodurch dieses Verfahren als äußerst vorhersagbar und mit einer hohen Erfolgsquote eingestuft wird.
Es ist wichtig zu betonen, dass dieser Artikel rein informativen Charakter hat und sich an Patienten richtet, die sich diesem therapeutischen Verfahren unterziehen, wobei zu beachten ist, dass die Therapie für jeden Patienten individuell gestaltet wird.
Der Behandlungsplan wird auf der Grundlage der klinischen Untersuchung und Ihrer Krankengeschichte erstellt. Das Behandlungsprotokoll wird vom Kieferchirurgen auf der Grundlage seiner klinischen Erfahrung und seiner Fachkenntnisse in diesem Bereich festgelegt. Wenn Sie also Fragen haben, erhalten Sie die einzig richtige Antwort erst bei Ihrer Untersuchung durch den behandelnden Arzt.
Eine Fallstudie
Im Folgenden wird ein klinischer Fall anhand einer Bilderserie von Anfang bis Ende dargestellt. Der Eingriff umfasst Sinuslift mit gleichzeitiger Implantatinsertion, ausschließlich mit Augmentation der eigene (autologe) Knochen des Patienten.
Dieses Verfahren kommt zum Einsatz, wenn keine umfangreiche Knochenaugmentation erforderlich ist (meistens bei einem Einzelimplantat), vorausgesetzt, die Form der Kieferhöhle ist günstig und alle ihre Wände sind zugänglich.
Der Hauptvorteil der Verwendung von Eigenknochen besteht in einem deutlich geringeren Risiko für Infektionen und Gewebeentzündungen im Vergleich zu künstlichen Materialien. Das Verfahren ist angenehmer und kostengünstiger, da keine Kollagenmembran eingesetzt werden muss. Obwohl das Transplantat im Laufe der Zeit auf natürliche Weise resorbiert wird, reicht der regenerierte Knochen bei diesen Indikationen fast immer für einen langfristigen Erfolg aus.

Knochenmangel im Bereich des linken oberen ersten Backenzahns, einige Monate nach der Zahnextraktion

Da die Mindestlänge eines Implantats für den Oberkiefer 8 mm beträgt, fehlen etwa 6 mm.

Aufzeichnung nach dem Eingriff Anhebung des Sinusbodens mit gleichzeitiger durch Anpassen Implantation mit Ersatz durch körpereigenen Knochen.

Nach einer Heilungsphase von mindestens sechs Monaten – oft auch länger – ist ein deutlicher Anstieg des Knochenniveaus im subantralen Raum zu beobachten.

Endgültige prothetische Versorgung auf einem Implantat.